|
 |
Startseite Weltnaturerbe Wattenmeer
|
 |
 |
|
Das Wattenmeer der Nordsee ist eine im Wirkungsbereich der Gezeiten liegende, etwa 9.000 km² große, 450 Kilometer lange und bis zu 40 Kilometer breite Landschaft zwischen Blåvandshuk, Dänemark, im Nordosten und Den Helder, Niederlande, im Südwesten. Den bei Niedrigwasser freiliegenden Grund der Nordsee bezeichnet man als Watt. Es handelt sich dabei um das größte Wattenmeer der Welt.
Das Watt wird zweimal am Tag während des Hochwassers überflutet und fällt bei Niedrigwasser wieder trocken, wobei das Wasser oft durch tiefe Ströme (Priele) abfließt. Der zeitliche Abstand zwischen einem Hochwasser und einem Niedrigwasser beträgt durchschnittlich sechs Stunden und zwölf Minuten. Das vor etwa 7500 Jahren entstandene Wattenmeer hat eine der höchsten Primärproduktionsraten in der Welt. Es dient daher vielen Vögeln und Fischen als Rastplatz und Nahrungsquelle.
Fast das gesamte Wattenmeer steht unter Naturschutz. Der deutsche Teil ist – außer den großen, als Schifffahrtsrouten wichtigen Flussmündungen – als Nationalpark geschützt. Der dänische Teil folgte 2009, der niederländische unterliegt einem komplexen Geflecht aus verschiedenen Schutzmaßnahmen. Der schleswig-holsteinische, niedersächsische und niederländische Wattenmeerbereich gehört seit dem 26. Juni 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe[1]. |
|
Das Wattenmeer liegt im südöstlichen Teil der Nordsee in der Deutschen Bucht. Es erstreckt sich entlang der gesamten Küste vom niederländischen Den Helder über die niedersächsische, bremische und schleswig-holsteinische Nordseeküste bis nach Blåvand in Dänemark[2]. Etwa 30 % des Gebiets liegt unter niederländischer, 60 % unter deutscher und etwa 10 % unter dänischer Jurisdiktion[3].
Im südlichen Teil von Den Helder über die Ems bis hin zur Wesermündung liegt das Wattenmeer hinter Barriereinseln, die aus Sandbänken entstanden sind (Ostfriesische Inseln und Westfriesische Inseln). Die Breite des Wattenmeers reicht hier von sechs Kilometern zwischen den Ostfriesischen Inseln und dem Festland bis hin zu 40 oder 50 Kilometern in großen Buchten wie dem Jadebusen, dem Dollart oder der Leybucht. Teilweise wurden in den Niederlanden auch große Buchten ganz eingedeicht und so dem direkten Einfluss des Meeres entzogen; bekanntestes und größtes Beispiel hierfür ist das IJsselmeer[2].
Das Wattenmeer besteht aus drei Zonen: die sublitorale Zone liegt dauerhaft unter Wasser, hier finden sich die großen Gezeitenströme und Seegatten, die das Wattenmeer mit der offenen See verbinden, und flachere Gebiete um diese Gezeitenströme. Die eulitorale Zone ist das eigentliche Watt. Sie liegt über dem Wasserstand bei Niedrigwasser, aber darunter bei Hochwasser und fällt zweimal am Tag trocken. Hier befinden sich Muschelbänke und leben Wattwürmer. Die supralitorale Zone liegt über dem mittleren Tidehochwasser (MThw), wird jedoch bei Springtiden oder Sturmfluten noch überflutet. Hier finden sich Salzwiesen mit ihrer besonderen Flora und Fauna[2].
Von der Weser- über die Elb- bis zur Eidermündung und nach Eiderstedt erstreckt sich das zentrale Wattenmeer, bei dem Wattenmeer, Nordsee und die Flussmündungen direkt ineinander übergehen. Hier bilden die Gezeiten vor allem Sandbänke, die sich aber kaum zu Inseln entwickeln konnten. Einige kleinere Inseln und Sandbänke wie der Große Knechtsand, Mellum, Neuwerk oder Trischen bilden eine lückenhafte, stark zerbrochene Barriere, in deren Strömungsschatten sich ausgedehnte Wattgebiete entwickelten[2].
Nördlich von Eiderstedt bis hin nach Blåvand liegt das nördliche Wattenmeer. Hier befindet sich das Wattenmeer im Schutz der Nordfriesischen Geestkern- und Marscheninseln, die ursprünglich Teil des Festlandes waren und durch Sturmfluten zu Inseln wurden. |
|
Das Wattenmeer liegt in der gemäßigten Klimazone; wichtige Einflussfaktoren sind warmes Atlantikwasser aus dem Nordatlantikstrom und Westwindlagen, deren Stärke seit den 1960er Jahren erheblich zugenommen hat. Dabei unterlagen sowohl Windstärke als auch Windrichtung über die Jahre erheblichen Variationen. So war der sogenannte Katastrophenwinter 1978/79 durch sehr niedrige Windgeschwindigkeiten und kaum in die Nordsee einfließendes Atlantikwasser geprägt. Gerade die Wintertemperaturen scheinen zum größten Teil davon abzuhängen, wie viel Atlantikwasser in die Nordsee gelangt, wobei diese in den letzten Jahren im Durchschnitt klar zugenommen haben[7].
Nebellagen sind häufig und oft lange anhaltend. Stürme sind ebenso häufig, sie sind allerdings meist kurz und dauern weniger als vier Stunden. Eine Vereisung des Meeres kann vorkommen, ist aber selten und tritt nur im Abstand von mehreren Jahren auf[8]. Die Niederschlagsmenge nimmt von Westen nach Osten zu, liegt bei 200 bis 400 mm im niederländischen Wattenmeer, zwischen 400 und 600 mm deutschen und dänischen Wattenmeer und bei 800 bis 1000 mm in der Elbmündung[7].
Die Globale Erwärmung wird auf das Wattenmeer erheblichen Einfluss haben, nämlich durch weiteren Anstieg des Meeresspiegels und Veränderungen des Ökosystems Wattenmeer, das ebenso dynamisch wie sensibel auf sich ändernde Einflüsse von außen reagiert. So breiten sich in den letzten Jahren vermehrt Arten aus, die bisher nur weiter südlich zu finden |
|
Das Wattenmeer ist eine geologisch sehr junge Landschaft. Es verdankt seine Entstehung den Eiszeiten. Die Nordseeküste bestand ursprünglich aus Sandern und Moränen, die die Eiszeitgletscher aus skandinavischen Gesteinen formten. Heute bilden diese den Naturraum der Geest. Die Gletscher der Weichseleiszeit bedeckten nur noch Teile des späteren Nordseeraums, von den Gletschern abfließende Wassermassen ebneten Sander und Moränen teilweise ein[5].
Wichtige Bedingung für die Entstehung des Wattenmeers ist zum einen ein stetiger Sedimentzufluss aus Flüssen und Meeresströmungen, der sich im relativen Schutz der Küste ablagert. Mehrere große flache Flussmündungen wie Ems, Weser, Elbe und Eider bringen Sedimente aus dem Binnenland, die sich dank langsamer Strömungsgeschwindigkeit im flachen Land vor der Küste setzen können. Die Gezeitendynamik an der südlichen Nordseeküste ist so, dass das Auflaufen der Flut mit höheren Strömungsgeschwindigkeiten verbunden ist und nur 85 % der Zeit benötigt, die die Ebbe zum Ablaufen braucht. Dadurch kann die Flut Sedimente aus dem tieferen Wasser mitreißen, die die Ebbe aufgrund der niedrigeren Geschwindigkeit nicht wieder aus dem niedrigeren Wasser abtragen kann.
Ebenso notwendig ist ein Anstieg des Meeresspiegels. Das Wattenmeer liegt mit der skandinavischen Halbinsel auf einer Erdplatte. Während der Eiszeit drückte das Gewicht der Gletschermassen Skandinavien nach unten und in einer Wippbewegung das heutige Wattenmeer nach oben. Seit dem Abschmelzen der Eiszeitgletscher steigt Skandinavien auf, die südliche Nordseeküste sackt in einer Ausgleichsbewegung nach unten. Da der Meeresspiegel an der südlichen Nordseeküste seit mehreren tausend Jahren steigt, konnten sich immer weitere Sedimente aufeinandertürmen und die flache Küste über viele Kilometer Breite bilden. Die Dynamik des Anstiegs ist mittlerweile stark zurückgegangen, im Grundsatz aber läuft sie noch heute ab[2].
Lagern sich derart große Mengen von Sedimenten ab wie im Wattenmeer, so steigt das Land im Normalfall im Laufe der Zeit auf und bildet neues Festland. Dies geschah auch an der Nordseeküste, wo die Salzmarschen genauso wie das Wattenmeer entstanden und im Laufe der Zeit aus der See emporwuchsen. Die Marsch reicht dabei an einigen Stellen bis zu 40 Kilometer in das Binnenland. Zur Entstehung von Watt benötigt es also Bedingungen, bei denen dauerhafte Sedimentablagerung und ein Anstieg des Meeresspiegels so zusammenkommen, dass weder die Sedimente das Land ganz aus dem Meer erheben noch das Meer so schnell steigt, dass die Sedimente dauerhaft unter Wasser liegen |
|
Aufgrund der Einzigartigkeit des Wattenmeeres und einer seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewachsenen Aufmerksamkeit für die Bedrohung des Systems durch menschliche Nutzungen wie Tourismus, Fischerei und Schifffahrt unterliegt das Wattenmeer einer Reihe internationaler Schutzabkommen, die durch diverse nationale Naturschutzmaßnahmen ergänzt werden.
Als erster Schritt hierzu wurde 1978 von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden das Wattenmeersekretariat (CWSS) gegründet. Die trilaterale Zusammenarbeit mündete 1982 in der Gemeinsamen Erklärung zum Schutz des Wattenmeers[3].
Über ein Drittel des Gebiets ist Natura-2000-Gebiet, das aus Schutzgebieten nach der FFH-Richtlinie von 1992 und der Vogelschutzrichtlinie von 1979 besteht[3]. Die größten Teile des Wattenmeers unterliegen dem Ramsar-Abkommen. Bis auf einige Schifffahrtswege unterliegt das gesamte Wattenmeer verschiedenen nationalen Schutzregimes[23].
Die Niederlande wiesen 1981 das Wattenmeer als Staatsnaturmonument aus, Nationalparks im niederländischen Wattenmeer sind der Nationalpark Schiermonnikoog und der Nationalpark Duinen van Texel. Alle Westfriesischen Inseln haben Naturschutzgebiete. Dänemark bezog das Wattenmeer 1982 in das Naturschutzgesetz ein. 1985 erfolgte im zweiten Anlauf die Einstufung des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeeres zum Nationalpark, ein Jahr später folgte auch das Niedersächsische Wattenmeer. Der kleinste Teil des Wattenmeeres, das Hamburger Wattenmeer, wurde diesem Schutzgebiet erst 1990 hinzugefügt[21].
1991 trat das von Dänemark, Deutschland und den Niederlanden unterzeichnete Abkommen zur Erhaltung der Seehunde im Wattenmeer in Kraft.
Die UNESCO hat die deutschen und niederländischen Teile des Wattenmeers 1991 als Biosphärenreservat anerkannt und sie somit unter internationalen Schutz gestellt. Über den gemeinsamen Antrag der Niederlande, Niedersachsens und Schleswig-Holsteins, nicht jedoch Hamburgs und Dänemarks, das Wattenmeer als Weltnaturerbe schützen zu lassen, hat die UNESCO am 26. Juni 2009 positiv entschieden. Das Wattenmeer fällt des Weiteren unter Anlage V des MARPOL, so dass jegliche Schadstoffeinleitung vom Schiff aus verboten ist. 2001 bestimmte es die IMO zusätzlich als Particularly Sensitive Sea Area, was der Schifffahrt weitere Einschränkungen zugunsten des Umweltschutzes auferleg |
|
QUELLE: WIKIPEDIA |
Druckbare Version
|
 |
Saisonzeiten AGB's Reisezeiten Disclaimer google-sitemap: Impressum Kontakt |
 |
 |
 |
|